Pestizide im Körper: Rückstände in fast allen Haarproben nachgewiesen - deNatura

Pestizide im Körper: Rückstände in fast allen Haarproben nachgewiesen

Wie stark sind wir im Alltag Pestiziden ausgesetzt? Eine aktuelle Analyse des Westschweizer Radio und Fernsehens (RTS) liefert alarmierende Antworten. Von 54 untersuchten Haarproben aus Westschweizer Kantonen und Bern wiesen 52 Rückstände von bis zu acht verschiedenen Pestizidsubstanzen auf, das sind im Durchschnitt zwei pro Person.

Haare eignen sich besonders gut als Indikator, da sie Pestizide über längere Zeiträume speichern können. Die rund sechs Zentimeter langen Strähnen ermöglichten eine Rückverfolgung der Belastung über die vergangenen sechs Monate. Toxikologin Aurélie Berthet von der Universität Lausanne erklärt: Einige Substanzen gelangen über das Blut in die Haare, andere direkt über die eingeatmete Umgebungsluft.

Die am häufigsten nachgewiesene Substanz war Permethrin, ein in Insektensprays weit verbreiteter Wirkstoff, der bei 84 % der Teilnehmenden gefunden wurde. Bemerkenswert: In der Schweizer Landwirtschaft ist Permethrin nicht zugelassen. Der Großteil der nachgewiesenen Substanzen stammt damit nicht aus dem Agrarsektor, sondern aus Haushaltsprodukten von Insektensprays über Holzschutzmittel bis hin zu Mitteln gegen Tigermücken.

In einzelnen Fällen ließ sich die Herkunft der Substanzen sogar konkret zurückverfolgen. Bei einer Teilnehmerin wurden Rückstände eines Holzschutzmittels nachgewiesen, das sie vor fünf Jahren verwendet hatte. Ökotoxikologin Nathalie Chèvre von der Universität Lausanne warnt: Solche Anstriche geben Wirkstoffe so lange an die Luft ab, wie sie aktiv sind, was teils bis zu zehn Jahre sein kann.

Gesundheitliche Schlussfolgerungen lassen die Ergebnisse derzeit noch nicht zu, da es keine Referenzwerte für Pestizidkonzentrationen in Haaren gibt. Die Studie macht jedoch deutlich, dass wir in einer Umgebung leben, die von chemischen Substanzen geprägt ist. Das sind Stoffe, die sowohl für den Menschen als auch für das Bodenökosystem toxisch sein können.

Bild: mit Hilfe von KI erstellt

Textgrundlage: Alexandre Willemin / RTS, SRF

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